Mut. Gerade jetzt.

Frust, Wut, Hoffnungslosigkeit: Diese Stimmung begegnet mir gerade in vielen Gesprächen im Gesundheitswesen. Ein persönliches Plädoyer für Mut.

Mut. Gerade jetzt.

Ein persönlicher Beitrag von Stefan Elmshäuser

In den letzten Wochen habe ich viele Gespräche geführt. Mit Praxisinhaberinnen und Praxisinhabern, mit Operateuren, mit Teams in Praxiskliniken, mit Kolleginnen und Kollegen aus Verbänden. Und in fast allen diesen Gesprächen spüre ich etwas, das mich nicht loslässt.

Es ist Frust. Es ist Wut. Und manchmal, wenn das Gespräch schon länger läuft und die Tür zu ist, ist es auch ein Stück Hoffnungslosigkeit. Sätze wie „Wofür mache ich das eigentlich noch?“ oder „Die wollen uns doch gar nicht“ höre ich inzwischen öfter, als mir lieb ist.

Das macht mich traurig. Nicht, weil ich diese Gefühle nicht verstehe. Sondern weil ich sie so gut verstehe.

Ja, die Lage ist schwer

Ich will nichts schönreden. Die Gründe für diese Stimmung sind real, und ich erlebe sie selbst jeden Tag.

Da sind die wirtschaftlichen Verluste: steigende Kosten für Personal, Material und Energie, die keine Vergütung mehr auffängt. Da ist die ständige Drohung, Leistungen zu beschränken: Monatelang stand sogar eine Budgetierung ambulanter Operationen im Raum, und noch immer wird um jede Vergütungsregel gerungen, als wäre das, was medizinisch sinnvoll ist, eine Frage des Quartals. Da ist eine Politik, die Ambulantisierung zum Ziel erklärt und gleichzeitig die Instrumente streicht, die sie möglich machen.

Und da sind die Deals. Entscheidungen, die in Hinterzimmern fallen, zwischen Interessen, die mit unserem Alltag wenig zu tun haben. Als Geschäftsführer der Deutschen Praxisklinikgesellschaft sitze ich oft genug in Berlin am Tisch. Ich weiß, wie zäh das ist. Und wie oft man mit dem Gefühl nach Hause fährt, gegen eine Wand geredet zu haben.

Erinnern wir uns, warum wir angefangen haben

Und trotzdem: Wir alle haben uns irgendwann einmal entschieden, im Gesundheitswesen zu arbeiten. Nicht, weil es der bequemste Weg war. Sondern weil wir etwas bewegen wollten. Für Menschen, die zu uns kommen, wenn es ihnen nicht gut geht.

Ich denke an die Patientin, die morgens operiert wird und abends wieder in ihrem eigenen Bett schläft. An das Team, das an einem vollen Tag trotzdem lacht. An die Ärztin, die den Mut hatte, eine eigene Praxis zu gründen, obwohl ihr alle davon abgeraten haben.

Das ist der Kern dessen, was wir tun. Und den kann uns keine Vergütungsregel und kein Änderungsantrag nehmen. Es sei denn, wir geben ihn selbst auf.

Darum: Mut

Ich möchte deshalb ein Wort zurück in den Ring werfen, das in letzter Zeit fast verloren gegangen ist: Mut.

Mut, weiterzumachen. Auch wenn die Zahlen gerade nicht stimmen und der nächste Brief von der KV wieder keine guten Nachrichten bringt. Jede Praxis, die heute durchhält, ist morgen Teil der Lösung.

Mut, zu kämpfen. Nicht leise im Wartezimmer, sondern laut und gemeinsam. Politik reagiert auf Stimmen, die sie nicht überhören kann. Je mehr von uns sich äußern, in Verbänden, in Gesprächen mit Abgeordneten, in der eigenen Region, desto schwerer wird es, uns zu übergehen.

Mut, sich gegen die Widrigkeiten zu stellen. Das heißt auch, im eigenen Haus anzupacken, was wir selbst in der Hand haben: Abläufe, Teams, Kooperationen, neue Wege. Wer nur auf Berlin wartet, wartet lange. Wer selbst gestaltet, gewinnt Spielraum zurück.

Mut heißt nicht, keine Angst zu haben. Mut heißt, trotzdem den nächsten Schritt zu gehen.

Vielleicht naiv. Aber nicht falsch.

Ich weiß, wie das in der aktuellen Lage klingen mag: naiv. Vielleicht ist es das auch ein bisschen. Aber ich habe in über zwanzig Jahren als Unternehmer gelernt, dass die großen Veränderungen selten von den Zynikern kommen. Sie kommen von denen, die weitermachen, als es keiner mehr für sinnvoll hielt.

Darum meine Bitte an euch: Macht weiter. Seid mutig. Glaubt daran, dass sich gute Medizin am Ende durchsetzt. Und lasst uns das gemeinsam tun, denn allein ist Mut schwer. Zusammen wird er zur Bewegung.

Wenn ihr darüber sprechen möchtet, was euch gerade bewegt: Schreibt mir.

Euer Stefan Elmshäuser

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